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Unsere Fahrt nach Stockholm (Juli / August 1964)

Unsere Fahrt nach Stockholm

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Die Heirat meines ältesten Bruders Dieter sollte in Stockholm stattfinden. Wir wohnten damals in Oberkochen, einem kleinen Städtchen in Baden-Württemberg ca. 80 km östlich von Stuttgart. Mein Bruder Bernhard † hatte als einziger in der Familie ein Auto, einen Lloyd Alexander TS.

Lloyd Alexander TS (Foto ähnlich)

Die ganze restliche Familie, bestehend aus meinem Vater meiner Mutter und mir, fuhr mit. Wir hatten eine Campingausrüstung im Gepäck. Es war so viel Gepäck, daß wir einen Dachgepäckträger auf dem Auto brauchten.

Das Abenteuer fing schon an, als wir in Oberkochen auf die B19 Richtung Aalen auffuhren und mein Bruder Bernhard meinem Vater erklärte, dass er gestern beim Einschrauben der Zündkerzen bei einer Zündkerze Schwierigkeiten hatte. Offensichtlich hatte er die Gewindegänge für die Zündkerze im Leichtmetallblock des Motors ruiniert und hatte die Zündkerze eingeklebt. Schon etwa 3 km weiter kam es zum Ausfall der besagten Zündkerze. Man bedenke, dass wir ja eine Fahrt von ca. 1600 km vor uns hatten ! Wie auch immer, der Schaden wurde provisorisch behoben und wir landeten abends nach vielen weiteren Unterbrechungen, um das Provisorium aus Bindedraht und weiteren mir nicht bekannten Utensilien wieder zu flicken, in Bad Hersfeld. Dort übernachteten wir auf dem Campingplatz. Morgens fuhren mein Vater und Bernhard zu einer Werkstatt, um den Schaden richtig reparieren zu lassen. Die Werkstatt bohrte das Loch für die Zündkerze größer und setzte eine Gewindebuchse ein.

Dann ging es weiter nach Norden, genauer gesagt nach Puttgarden, um dort mit der Fähre nach Dänemark Rødbyhavn überzusetzen. Die Überfahrt über die Fehmarnsundbrücke war für uns alle sehr eindrucksvoll. Kurz vor Puttgarden kamen wir an einer Gaststätte “Doppeleiche” vorbei. Meine Mutter las im Vorüberfahren “Doppelleiche” und sorgte so für großes Gelächter. Ich weiß noch, das wir kurz nach der Ankunft in Dänemark einen leckeren Räucheraal gekauft und verspeist haben.

Fehmarnsundbrücke

Weiter ging die Fahrt bis nach Helsingør, um dort mit der Fähre nach Helsingborg Schweden rüber zu fahren. Dort herrschte damals noch Linksverkehr - eine sehr große Umstellung ! Bernhard hatte einen kleinen Teil der Scheinwerfer abgeklebt, wegen des asymmetrischen Abblendlichts.. Die nächste Station war Göteborg, dort wollten wir in der Jugendherberge übernachten. Nur, diese zu finden war ein sehr schwieriges Unterfangen. Wir fragten und fuhren stundenlang durch die Stadt, um dann festzustellen, das die Jugendherberge gar kein Gebäude war, sondern ein abgestellter Eisenbahnzug ! Todmüde vom langen Suchen fielen wir in Betten und schliefen uns erst einmal gründlich aus.

Am nächsten Tag ging es durch das für “normale Mitteleuropäer” sehr dünn besiedelte  Südschweden. Jönköping war der nächstgrößere Ort, dort ging es eine Weile am Vätternsee entlang und dann über Linköping nach Norrköping. Viel zu sehen gab es von der Landschaft, aber nur vereinzelt eines der typisch skandinavischen rostroten Häuschen. Unterwegs haben wir noch einmal wild campiert, was in Schweden wegen der geringen Bevölkerungsdichte überhaupt kein Problem war. Mein Bruder Bernhard erzählte mir, das es dort ziemlich kalt gewesen sei und wir schön sehr früh wieder auf den Beinen waren.

Die riesige Hauptstadt Stockholm war nach der “Einöde” Südschwedens überwältigend in ihrer Größe - da mußte man sich erst einmal zurechtfinden. Mein Bruder Dieter, den wir trafen, lotse uns durch die Stadt in den Vorort Saltsjöbaden, in dem er wohnte. Was uns angenehm auffiel, war der viel freundlichere Umgang miteinander im Straßenverkehr. Der Unterschied zu Deutschland war doch sehr gravierend.

Lustig war es, ein paar Brocken schwedisch zu lernen. "Tack så mycket" (Takse mücke) zum Beispiel heißt: Vielen Dank. Da waren dann noch die Lebensmittel wie mjölk und bröd. Am Besten gefiel mir der schwedische Gruß "hej". Bier heißt dort übrigens Öl.

Das junge Paar Rösle † und Dieter

Die Hochzeit selbst in der deutschen Kirche in Stockholm, am 6. August 1964, war relativ unspektakulär. Nach der Trauung wurde das Brautpaar, Rösle und mein Bruder Dieter, mit Reis beworfen. Dann war das große Essen angesagt. Es gab sehr viele Gänge, ich war schon nach dem 3. satt.

Tyska Kyrkan Stockhom (Deutsche Kirche)

Nach den Feierlichkeiten fuhren wir in den nächsten Tagen nach Tyresö an einen See, zum Baden. Das Wasser im See war herrlich warm und wir hatten den See ganz für uns alleine. Wir haben dort auch ein bisschen geangelt, aber nichts gefangen. Ein anderes Mal sind wir an der Ostsee gewesen, auch zum Baden. Als wir dahin kamen, sah man  die Schweden sich fröhlich in der Ostsee tummeln und ich beschloß auch hinein zu springen. Mein grenzenloser Schreck lässt sich nicht beschreiben: Das Wasser war ja eiskalt! Noch verwöhnt von dem warmen See bei Tyresö bin ich nichts ahnend einfach hier hinein gesprungen. Sehr schnell war ich da wieder draußen!

See bei Tyresö

Eine Fahrt nach Norden zur ca. 1 Stunde entfernten Universitätsstadt Uppsala haben wir auch noch unternommen. Uppsala war entgegen meinen Erwartungen nur eine Kleinstadt mit eher dörflichem Charakter. Dies war der nördlichste Punkt unserer Reise.

Mit dem Sohn von Dieters ehemaligem Vermieter, Krister Liljebeck, war ich dann auch mal im Freibad und wunderte mich über die damals schon freizügige Ansicht zur Nacktheit in Schweden. Mit Krister war ich noch einige Zeit im Briefwechsel. Seine ganze Familie hat uns auch einmal kurz in Oberkochen besucht. Er beschrieb die Fahrweise auf den deutschen Autobahnen als sehr gefährlich anmutend.

Da fällt mir noch eine merkwürdige Begebenheit ein, auf einer Nachtfahrt von Stockholm hinaus nach Saltsjöbaden ein. Hinter uns blendete ein Schwede immer wieder das Fernlicht auf. Als wir darauf hin anhielten kam es zu einem Wortwechsel zwischen ihm und dem bei uns mitfahrenden Dieter, von dem ich da schwedisch gesprochen wurde nichts verstand. Dieter erklärte als wir dann weiter fuhren, dass es sich eventuell um einen Überfallversuch handelte. Da lief es uns eiskalt den Rücken herunter und wir waren sehr erregt.

Die Rückfahrt nach Oberkochen war nicht sehr ereignisreich. Ich erwartete nur, dass mir die Leute zu Hause anerkennend zunickten - schließlich waren wir gerade in Schweden gewesen.

 

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